Der Sommer meines Lebens mit Sehnenscheidenentzündung und Schmerzen

Es war der Sommer meines Lebens. Ich war endlich in der Stadt meiner Träume und hatte einen Platz an der Universität bekommen. Es war der erste Sommer seit sehr langer Zeit, an dem ich nicht arbeitete, sondern einfach das Leben genoss. Ich war immer unterwegs. Ich guckte mir die Stadt an, machte Sport, unternahm etwas mit Freunden oder lag einfach am Fluss und las ein Buch. Mein Körper und Geist kam endlich zur Ruhe. Die Schmerzen kamen jedoch schleichend. Die ersten Symptome zeigten sich am Handgelenk – ein reizender Schmerz. Ich bastelte mir selbst Handbandagen als Schonung, kühlte und schmierte massenweise klebrige Schmerzcreme auf das Handgelenk. Ich bin mehr das Wärmetierchen und daher fand ich die Zeit des Kühlens nicht gerade toll. Ich nahm Ibuprofen ohne Besserung und irgendwann schickte mich dann der Hausarzt zum Orthopäden. Es war die berühmte Zeit der Praxisgebühr und daher gab es eine Überweisung. Nach einem Monat bekam ich endlich einen Termin und die Schmerzen waren nun auch nicht mehr nur in der rechten Hand, sondern auch in der Linken. Die Diagnose meines ersten Orthopäden – Sehnenscheidenentzündung. Der banale Grund dafür soll das übermäßige Tippen und Benutzen der PC-Maus und -Tastatur gewesen sein. Die einfache Lösung ins schmerzfreie Leben soll weiteres Kühlen und Einsatz weiterer Salbe sein. Zudem bekam ich ein Rezept für eine professionelle Handschiene. Zusätzlich sollte ich eine Ultraschalltherapie beginnen oder noch besser eine Lasertherapie zur Schmerzlinderung, Entzündungshemmung und Abschwellung.  Die Lasertherapie verspricht zwar einen besseren Erfolg, wird jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen und kostet 20€ für 10 min. Der Arzt hat mit der Therapie schon Juristen kurz vor Prüfungen wieder fit bekommen. Bis zu meinen Prüfungen war noch etwas Zeit hin und ich entschied mich für die Krankenkassen-Ultraschalltherapie, da ich bestimmt kein Härtefall war. So saß ich insgesamt 10 Mal in der Praxis, schmierte mir selbst die Handgelenke ein und fuhr 15 min lang mit dem Ultraschallgerät über meinen Körper. Selbst ist der gesetzlich versicherte Krankenkassenpatient! Die Schallwellen verursachen keine Schmerzen, nur das Gel war kalt. Ich bin ja ein Wärmetierchen.

Auf einem kleinen Zettel neben dem Gerät fand ich weitere Hinweise zur Anwendung: Hand-, Bein-, Rücken-, Bauch-, Menstruationsschmerzen und Inkontinenz. Die Anwendung führte zu keiner Verbesserung oder Verschlechterung. Sollte ich jedoch einmal an Inkontinenz leiden, so weiß ich Rat. Der Arzt empfahl mir auch nicht mehr die Lasertherapie. Kurze Zeit später bekam ich jedoch noch eine Schiene für die linke Hand. Bis zu meinen Prüfungen kam es zu keiner Besserung, außer, dass mir in öffentlichen Verkehrsmitteln immer ein Platz angeboten wurde, weil ich mit meinen beiden Schienen schon krank aussah. Bis zu meinen Prüfungen wurden die Schmerzen nicht weniger. Dinge kann ich mir am besten merken, wenn ich sie schreibe. Der Schmerz sabotierte mir also die Lernphase. Ich hatte reißende Schmerzen beim Strecken der Finger und drückende beim Beugen. Einen Stift oder Besteck zuhalten viel mir schwer. Ich nutzte nur möglichst dicke Gegenstände, die für mich angenehmer zum Anfassen waren. Für die Prüfungen hatte ich an meiner Schreibhand einen extra engen Verband angelegt. Ich erinnere mich noch an den Moment, als jemand mitten in der Prüfung von links rief: „Mach den Verband ab! Deine Hand fällt bald ab!“ Und es war wahr, so richtig spürte ich meine Hand nicht mehr, aber es waren noch 30 Minuten zu schreiben und mir fehlte noch eine Aufgabe. Die Sabotage war also erfolglos, die Prüfung geschafft.

Schmerzpatientin.de
 

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